Herzlich Willkommen auf den Internetseiten von "Wege zur Psychotherapie". Mit dieser Patienteninformation bietet die BPtK grundlegende Informationen darüber, wie Psychotherapeuten bei psychischen Beschwerden und Erkrankungen von Erwachsenen helfen können. Sie erklärt verständlich, wann ein erster Termin bei einem Psychotherapeuten ratsam und wann eine Behandlung notwendig ist.

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Die Probesitzungen

Die Probesitzungen2019-03-18T18:48:49+00:00
Bevor Sie eine Richtlinienpsychotherapie beginnen, führt der Psychotherapeut, der die Behandlung übernehmen kann, mit Ihnen Probesitzungen durch. Dabei handelt es sich um Gespräche, in denen insbesondere geklärt wird, ob Patient und Psychotherapeut zueinander passen und eine vertrauensvolle Therapiebeziehung aufbauen können.

Das ist wichtig für eine erfolgreiche Psychotherapie. In diesen Kennenlern-Gesprächen sollten Sie darauf achten, ob Sie mit der Psychotherapeutin oder dem Psychotherapeuten alles besprechen können, ob „die Chemie stimmt“, ob Sie „miteinander können“. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie grundsätzlich den Eindruck haben, dass Sie mit dem Psychotherapeuten über alles reden können. Umgekehrt prüft auch der Psychotherapeut, ob Sie für eine Therapie gut zueinander passen und ob er Ihnen die für Sie geeignete Behandlung anbieten kann. Darum werden diese ersten Stunden in einer Psychotherapie auch „probatorische Sitzungen“ genannt, das heißt „Probesitzungen“.

Die Patientin oder der Patient kann in den Probesitzungen aber auch all die Fragen stellen, die sie oder er zu einer psychotherapeutischen Behandlung hat (siehe Abschnitt „Fragen von Patienten vor einer Behandlung“).

Der Psychotherapeut nutzt die probatorischen Sitzungen, um einen Behandlungsplan zu entwickeln. Er erläutert Ihnen insbesondere, welches psychotherapeutische Verfahren er für geeignet hält (siehe „Psychotherapeutische Verfahren“,) und was genau in der Therapie erfolgen soll. Sind Sie mit diesem Behandlungsplan einverstanden, kann entweder eine Kurz- oder Langzeittherapie (siehe „Dauer der Psychotherapie“) begonnen werden. Diese Behandlung muss aber zunächst bei der Krankenkasse beantragt werden (siehe „Der Antrag an die Krankenkasse“).

Vor Beginn der Behandlung sind mindestens 2 und höchstens 4 probatorische Sitzungen à 50 Minuten durchzuführen. Bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen können bis zu 6 probatorische Sitzungen durchgeführt werden. Für die Probesitzungen brauchen Sie noch keinen Antrag an Ihre Krankenkasse zu stellen. Die Krankenkasse übernimmt dafür in jedem Fall die Kosten.

Passen Patient und Psychotherapeut zueinander?

Damit die Behandlung Ihrer Erkrankung erfolgreich ist, ist es wichtig, dass Psychotherapeut und Patient zueinander passen. Sie sollten sich deshalb in den Probesitzungen einen Eindruck davon verschaffen, ob Sie offen und vertrauensvoll mit der Psychotherapeutin oder dem Psychotherapeuten sprechen können. Können Sie sich das schwer vorstellen, sollten Sie dies ansprechen. Grundsätzlich steht es Ihnen offen, einen weiteren Psychotherapeuten aufzusuchen. Wenn es für Sie wichtig ist, die Psychotherapie mit einer Frau oder einem Mann durchzuführen, sollten Sie dies bei der Auswahl des Psychotherapeuten berücksichtigen.

Sie sollten die ersten Gespräche mit einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten nutzen, um all die Fragen zu stellen, die Ihnen vor einer Behandlung wichtig sind.

Viele Patienten stellen folgende Fragen:
  • Wie sehen die einzelnen Behandlungsstunden („Sitzungen“) aus?
  • Wie lange dauert die Behandlung voraussichtlich?
  • Welche Erfahrungen hat der Psychotherapeut in der Behandlung meiner psychischen Erkrankung?
  • Wie erfolgreich kann die Behandlung sein?
  • Was kann ich realistischerweise erreichen?
  • Welche Behandlungsalternativen habe ich?
  • Was ist, wenn ich Termine absagen muss?
  • Welche Kosten habe ich als Patient eventuell zu tragen?
Ein Patient muss von seinem Psychotherapeuten grundsätzlich mündlich über die Behandlung aufgeklärt werden. Der Psychotherapeut muss die „wesentlichen Umstände“ in verständlicher Weise erläutern, und zwar zu Beginn der Behandlung und – soweit erforderlich – auch in deren Verlauf (§ 630c Bürgerliches Gesetzbuch).

Der Patient ist insbesondere zu informieren über:
  • die Diagnose,
  • die voraussichtliche gesundheitliche Entwicklung (Prognose),
  • die Therapie (zum Beispiel über allgemeine Aspekte des vorgeschlagenen Therapieverfahrens) und
  • die während und nach der Therapie zu ergreifenden Maßnahmen, zum Beispiel das Führen von Symptom-Tagebüchern.

Behandlungsplan und Einverständnis

Am Schluss der Probesitzungen erläutert Ihnen die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut, wie die Behandlung konkret aussehen könnte, und entscheidet mit Ihnen gemeinsam, ob Sie die Psychotherapie beginnen. Der Psychotherapeut erklärt Ihnen, ob und mit welchen psychotherapeutischen Verfahren Ihre Erkrankung behandelt werden kann und ob auch eine medikamentöse Behandlung in Betracht kommt. Er erläutert Ihnen die Behandlungs alternativen und deren Vor- und Nachteile. Er sagt Ihnen, wie lange die Behandlung wahrscheinlich dauert (siehe Behandlungsdauer) und er erarbeitet mit Ihnen Behandlungsziele, die Sie gemeinsam vereinbaren. Diese Ziele werden im Verlauf der Behandlung immer wieder überprüft und gegebenenfalls angepasst und verändert. Sind die Behandlungsziele erreicht, kann die Psychotherapie beendet werden.

Als Patient müssen Sie sich mit der vorgeschlagenen Behandlung einverstanden erklären. Ein Psychotherapeut darf Sie nur behandeln, wenn Sie in die Behandlung einwilligen. Es reicht, wenn Sie mündlich einwilligen. Viele Psychotherapeuten werden Sie jedoch um eine schriftliche Einwilligung bitten. Sie können ihre Einwilligung jederzeit widerrufen – und zwar formlos.

Der Antrag an die Krankenkasse

Vor einer Psychotherapie muss geklärt werden, ob es nicht eine körperliche Ursache für Ihre psychischen Beschwerden gibt. Deshalb müssen Sie vor einer Psychotherapie zunächst noch zu Ihrem Hausarzt oder einem Facharzt.

Liegen keine körperlichen Ursachen für Ihre psychischen Beschwerden vor, kann eine psychotherapeutische Behandlung bei der Krankenkasse beantragt werden. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt nur für eine genehmigte Psychotherapie die Kosten. Ein Antrag ist sowohl für eine Kurz- als auch für eine Langzeittherapie notwendig.

Das Antragsformular sowie weitere Informationen bekommen Sie von Ihrer Psychotherapeutin oder Ihrem Psychotherapeuten. Sie helfen Ihnen beim Ausfüllen des Antrags. Den Antrag müssen Sie unterschreiben.

Ist eine Langzeittherapie geplant, muss Ihr Psychotherapeut außerdem noch in einem Bericht begründen, warum er bei Ihnen eine Behandlung für notwendig hält, und darlegen, was in der Therapie geplant ist. Dieser Bericht wird von einem Gutachter, der selbst Psychotherapeut ist, geprüft („Gutachterverfahren“). Er enthält keinen Patientennamen. Die Krankenkasse bekommt diesen Bericht nicht zu lesen.

Genehmigt die Krankenkasse die Psychotherapie, können Sie die Behandlung beginnen. Lehnt die Krankenkasse den Antrag ab, muss sie dies begründen. Sie muss außerdem einen Ansprechpartner für Rückfragen (einschließlich Kontaktdaten) nennen. Gegen den ablehnenden Bescheid können Sie mit Unterstützung Ihres Psychotherapeuten Widerspruch einlegen.

Die Behandlung in der Praxis