Herzlich Willkommen auf den Internetseiten von "Wege zur Psychotherapie". Mit dieser Patienteninformation bietet die BPtK grundlegende Informationen darüber, wie Psychotherapeuten bei psychischen Beschwerden und Erkrankungen von Erwachsenen helfen können. Sie erklärt verständlich, wann ein erster Termin bei einem Psychotherapeuten ratsam und wann eine Behandlung notwendig ist.

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Die psychotherapeutische Sprechstunde

Die psychotherapeutische Sprechstunde2019-03-18T18:42:46+00:00

Was wird besprochen?

In der psychotherapeutischen Sprechstunde klärt die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut mit Ihnen insbesondere, welche psychischen Beschwerden Sie haben, wie diese einzuschätzen sind und ob Sie deshalb eine Behandlung benötigen. Der Psychotherapeut fragt Sie, welche Schwierigkeiten und Beschwerden Sie haben, wie lange Sie diese schon haben, wie sie sich im Alltag bemerkbar machen und was Sie bisher unternommen haben, um wieder besser zurechtzukommen. Viele Psychotherapeuten setzen in diesen ersten Gesprächen auch Fragebögen und psychologische Testverfahren ein.

Wie viele Termine sind möglich?

Insgesamt kann der Psychotherapeut mit jedem Patienten bis zu 6 Termine à 25 Minuten in seiner Sprechstunde vereinbaren. Er kann aber mehrere dieser 25-Minuten-Einheiten zusammenlegen. Manchmal wird er Ihnen schon für das erste Gespräch einen 50-Minuten-Termin vorschlagen. Bei Kindern und Jugendlichen können mit jedem Patienten bis zu 10 Termine à 25 Minuten in der Sprechstunde durchgeführt werden. Dabei können sich Eltern auch bis zu 100 Minuten ohne ihr Kind beraten lassen.

Vor jeder Behandlung in die Sprechstunde

Jeder Patient muss zuerst in der Sprechstunde ein erstes Gespräch mit einem Psychotherapeuten geführt haben, bevor er eine Behandlung beginnen kann. Dieses Gespräch muss mindestens 50 Minuten gedauert haben. Eine Ausnahme hiervon sind Patienten, die in den letzten 12 Monaten wegen einer psychischen Erkrankung in einem Krankenhaus oder einer Rehabilitationsklinik behandelt worden sind.

In der psychotherapeutischen Sprechstunde können sich Menschen mit psychischen Beschwerden kurzfristig untersuchen und beraten lassen. Sie erfahren zum Beispiel:

  • Wie sind meine psychischen Beschwerden einzuschätzen?
  • Was kann ich selbst tun, damit es mir psychisch wieder besser geht?
  • Welche weitere Beratung kann ich nutzen?
  • Ist eine Selbsthilfegruppe ratsam?
  • Brauche ich eine Behandlung, weil ich an einer psychischen Erkrankung leide?
  • Welche Behandlung ist geeignet?
  • Benötige ich besonders schnell Hilfe und deshalb eine Akuttherapie?
  • Bin ich weiter arbeitsfähig?
  • Ist meine Erwerbsfähigkeit gefährdet?
  • Ist eine Einzel- oder Gruppentherapie besser für mich geeignet?
  • Sollte ich auch einen Facharzt konsultieren, damit er mir zusätzlich Medikamente verordnet?
  • Ist meine Erkrankung so schwer, dass ich in einem Krankenhaus behandelt werden sollte?

Um möglichst schnell einen Termin zu bekommen, können Sie, wenn Sie gesetzlich krankenversichert sind, auch die „Terminservicestellen“ der Kassenärztlichen Vereinigungen nutzen. In allen Bundesländern verfügen die Kassenärztlichen Vereinigungen über eine eigene Terminservicestelle, in Nordrhein-Westfalen sind dies die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

Die Terminvermittlung der Kassenärztlichen Vereinigung muss Ihnen, so der gesetzliche Auftrag, innerhalb einer Woche einen Psychotherapeuten nennen, der einen Termin in seiner Sprechstunde frei hat. Dieser Termin muss jedoch nicht auch schon innerhalb dieser Woche liegen. Auf das erste Gespräch bei dem vermittelten Psychotherapeuten müssen Sie eventuell bis zu 4 Wochen warten. Diese 4-Wochen-Frist beginnt mit dem Tag, an dem Sie bei der Terminvermittlung angefragt haben. Wenn Sie beispielsweise an einem Mittwoch angerufen haben, hat die Servicestelle bis zum nächsten Mittwoch Zeit, um Ihnen einen Termin für ein erstes Gespräch zu nennen, und dieses Gespräch kann nochmals bis zu 3 Wochen später liegen.

Sie haben dabei keinen Anspruch, eine bestimmte Psychotherapeutin oder einen bestimmten Psychotherapeuten vermittelt zu bekommen. Der Termin muss auch nicht in Ihren Terminkalender passen. Außerdem müssen Sie einen längeren Weg hinnehmen. Für den Weg dürfen Sie bis zu 30 Minuten länger mit öffentlichen Bahnen und Bussen benötigen als zur nächstgelegenen Praxis. Wenn Sie einen vorgeschlagenen Termin nicht wahrnehmen können, soll Ihnen noch ein weiterer Termin angeboten werden. Voraussetzung dafür ist, dass Sie der Terminvermittlung möglichst umgehend mitteilen, dass Sie zu dem vorgeschlagenen Termin nicht können. Danach haben Sie keinen Anspruch mehr, einen Termin von der Terminservicestelle vermittelt zu bekommen.

Eine Übersicht zu allen Terminservicestellen in Deutschland finden Sie beim Bundesgesundheitsministerium.

Wenn eine Behandlung notwendig ist

Falls Sie psychisch krank sind, wird der Psychotherapeut Ihnen die Erkrankung erklären und Ihnen erläutern, welche Behandlung dafür geeignet ist. Er wird Sie darüber informieren, ob zum Beispiel neben einer Psychotherapie auch Medikamente notwendig sind und wie lange die Behandlung voraussichtlich dauert. Diese Informationen erhalten Sie auch schriftlich in einem Formblatt, der „Individuellen Patienteninformation“. Die Behandlung kann nicht immer bei demjenigen Psychotherapeuten stattfinden, bei dem Sie in der Sprechstunde waren. Es kann sein, dass dieser momentan keinen Behandlungsplatz frei hat. Manchmal müssen Sie sich deshalb für die Therapie einen anderen Psychotherapeuten suchen.

Auch wenn keine Behandlung notwendig ist, kann es durchaus empfehlenswert sein, etwas zu unternehmen, damit sich aus Ihren psychischen Beschwerden keine Krankheit entwickelt. Dafür gibt es „Präventionsangebote“, mit denen sich Erkrankungen vorbeugen lassen. In diesen Kursen können Sie beispielsweise lernen, beruflichen Stress besser abzubauen oder private Konflikte anders zu lösen, aber auch weniger Alkohol zu trinken oder mit dem Rauchen aufzuhören.

Eine Psychotherapeutin oder ein Psychotherapeut kann Ihnen ein solches Präventionsangebot der Krankenkassen empfehlen. Die Kassen bieten auf ihren Internetseiten spezielle Suchen für solche Präventionskurse an. Auch Ihr Psychotherapeut kann Sie dabei beraten. Einer Krankheit vorzubeugen, ist in jedem Fall besser, als sie später behandeln zu müssen.

Wenn Sie nicht psychisch krank sind, Sie aber familiäre Probleme belasten, kann auch ein Gespräch bei einer Ehe- oder Familienberatung hilfreich sein. Diese Angebote der Beratungsstellen sind in der Regel kostenfrei. Jeder, dem seine Alltagskonflikte über den Kopf wachsen, kann sie nutzen.

Die Diagnose

Vor der Behandlung stellt der Psychotherapeut eine Diagnose. Er stellt fest, welche Krankheit Sie haben, zum Beispiel „Depressive Episode“, „Soziale Phobie“, „Anorexie“ oder „Posttraumatische Belastungsstörung“. Diese Bezeichnungen für psychische Erkrankungen sind nicht immer verständlich. Lassen Sie sich von Ihrem Psychotherapeuten die Diagnose in einfachen Worten erklären. Informationen zu einzelnen psychischen Erkrankungen finden Sie auch auf den Internetseiten der Bundespsychotherapeutenkammer unter der Rubrik „Patienten“.

Die Bezeichnungen müssen aus einer Liste anerkannter Krankheiten stammen, auf die sich weltweit Ärzte und Psychotherapeuten verständigt haben. Diese Liste nennt sich „Internationale Klassifikation der Erkrankungen“, kurz ICD. Zurzeit gilt deren 10. Version, also die ICD-10. Die ICD-10 ist die international gültige Beschreibung aller körperlichen sowie psychischen Krankheiten und ihrer Symptome. Sie wurde von der Weltgesundheitsorganisation erarbeitet und ist in Deutschland verbindlich.

Behandlungsleitlinien

Bei vielen psychischen Erkrankungen gibt es „Leitlinien“ für Diagnose und Behandlung. Diese sind Empfehlungen, an denen sich Psychotherapeuten und Ärzte orientieren sollen. Sie beruhen auf dem besten Wissen, das zum Zeitpunkt, zu dem sie erstellt worden sind, verfügbar war. Leitlinien empfehlen insbesondere, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wann eher eine Psychotherapie oder Medikamente ratsam sind oder ob beides zusammen am besten wirkt.

Eine der anerkannten Leitlinien gibt es beispielsweise für Depressionen. Sie nennt sich „Nationale Versorgungsleitlinie Unipolare Depression“ und empfiehlt grundsätzlich:

  • bei einer leichten Depression: eine Psychotherapie,
  • bei einer mittelschweren Depression: entweder Psychotherapie oder Medikamente,
  • bei einer schweren Depression: sowohl Psychotherapie als auch Medikamente.

Diese gesamte Leitlinie ist für Patienten in eine allgemein verständliche Sprache übersetzt worden und im Internet zu finden unter www.patienten-information.de.

Leitlinien gibt es unter anderem auch für Angststörungen, Essstörungen, bipolare Störungen und verschiedene Suchterkrankungen (Alkohol, Tabak, Crystal Meth). Zu einigen dieser Leitlinien gibt es auch verständliche Patientenversionen.

Je nach psychischer Erkrankung und persönlicher Neigung kann es auch sinnvoll sein, eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. In Selbsthilfegruppen tauschen sich Menschen aus, die unter der gleichen Krankheit leiden oder mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, und helfen sich gegenseitig. Sie sind eine weitere Möglichkeit, die eigenen Probleme selbst in die Hand zu nehmen und dafür eine Lösung zu suchen. Eine der wichtigsten Erfahrungen in einer Selbsthilfegruppe ist es zu merken, dass es noch viele andere Menschen gibt, die mit den gleichen Schwierigkeiten kämpfen wie man selbst.

Auch Angehörige von psychisch Kranken nutzen einen solchen Austausch. Informationen über Selbsthilfegruppen finden Sie auf der Internetseite der „Nationalen Kontakt- und Informationsstelle“ der Selbsthilfegruppen (www.nakos.de). Direkt auf der ersten Seite können Sie in einem Suchfeld beispielsweise „Depression“ und „Berlin“ eingeben und erhalten dann eine Liste von „Selbsthilfekontaktstellen“. Dort können Sie sich über die Angebote von Selbsthilfegruppen vor Ort beraten lassen.

Es steht fest:
Eine psychotherapeutische Behandlung ist ratsam

Ein Psychotherapeut hat in der Sprechstunde festgestellt, dass Sie psychisch krank sind und eine Behandlung benötigen. Häufig empfiehlt er Ihnen dann eine „Richtlinienpsychotherapie“ (siehe „Was ist eine ‚Richtlinienpsychotherapie‘?“). Es kann sein, dass er die Behandlung selbst übernimmt, es kann aber auch sein, dass er keinen zusätzlichen Patienten mehr behandeln kann und Sie sich einen anderen Psychotherapeuten suchen müssen.

Wartezeiten

Leider werden Sie nicht immer einen niedergelassenen Psychotherapeuten finden, der kurzfristig Ihre Behandlung übernehmen kann. Viele Psychotherapeuten haben Wartezeiten.

Kann der Psychotherapeut, bei dem Sie in der Sprechstunde waren, die Behandlung nicht übernehmen, müssen Sie sich selbst einen anderen suchen. Dafür sollten Sie zunächst bei den zugelassenen Psychotherapeuten in Ihrer Nähe nachfragen (siehe „Wie finde ich einen Psychotherapeuten?“). Schon beim ersten Telefonat sollten Sie mitteilen, dass Sie bereits in einer Sprechstunde waren und eine Empfehlung für eine Richtlinienpsychotherapie bekommen haben.

Was ist eine „Richtlinienpsychotherapie“?

In der Psychotherapie werden psychische Erkrankungen mit wissenschaftlich überprüften Behandlungsverfahren behandelt. Psychotherapie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Dabei dürfen nur psychotherapeutische Verfahren angewendet werden, die vom „Gemeinsamen Bundesausschuss“ als wirksam anerkannt sind (siehe „Gemeinsamer Bundesausschuss“).

Die anerkannten psychotherapeutischen Verfahren stehen in der „Psychotherapie- Richtlinie“. Die Behandlung einer psychischen Erkrankung mit einem anerkannten Verfahren heißt deshalb auch „Richtlinienpsychotherapie“.

Dazu gehören derzeit:

  • die Analytische Psychotherapie,
  • die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und
  • die Verhaltenstherapie.

Die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen helfen Ihnen auch, eine „Richtlinienpsychotherapie“ zu bekommen, allerdings nur, wenn sie „dringend“ ist. Der Psychotherapeut muss Ihnen dafür in der Sprechstunde schriftlich bescheinigen, dass Ihre psychotherapeutische Behandlung dringend ist. Auch diese Empfehlung steht wiederum in der „Individuellen Patienteninformation“. Die Terminservicestellen suchen Ihnen einen Psychotherapeuten, bei dem Sie zunächst mit den Probesitzungen beginnen können.

Diese Stellen müssen versuchen, Ihnen innerhalb von 4 Wochen einen ersten Termin in einer Richtlinienpsychotherapie zu vermitteln. Wenn Sie feststellen, dass Sie mit dem Psychotherapeuten nicht zurechtkommen, haben Sie das Recht, sich einen anderen Psychotherapeuten vermitteln zu lassen.

Kann die Terminservicestelle Ihnen keinen Termin bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten vermitteln, muss sie versuchen, Ihnen einen Termin in einer Krankenhausambulanz zu besorgen.

Die Behandlung in der Praxis
Die Akutbehandlung